Was dieser Blog vermittelt
- Kann man kolloidales Selen selbst herstellen?
- Warum hochreines Selen schlecht leiten kann
- Eigene Versuche mit Selenelektroden
- Sollstrom und Ist-Strom
- Bedeutung orangefarbener oder brauner Flüssigkeiten
- Mögliche Selenformen
- Erforderliche Laboranalysen
- ppm-Wert und Gesamtmenge
- Risiken einer überhöhten Selenaufnahme
- Häufig gestellte Fragen
Selen in der Kolloidherstellung
Anspruchsvoller als viele Metalle
Kolloidales Selen selbst herzustellen ist grundsätzlich nicht mit der Herstellung von kolloidalem Silber, Gold oder Kupfer vergleichbar. Selen ist ein Halbleiter, dessen elektrische Leitfähigkeit stark von seiner strukturellen Form, der Materialbeschaffenheit und den jeweiligen Versuchsbedingungen abhängt.
Eine sichtbare Färbung der Flüssigkeit beweist weder, dass eine reine kolloidale Selendispersion entstanden ist, noch erlaubt sie eine zuverlässige Aussage über Konzentration, Partikelgröße oder enthaltene Selenformen.
Unsere klare Einschätzung lautet deshalb: Die elektrochemische Herstellung einer Selendispersion ist kein geeignetes Einsteigerprojekt. Erforderlich sind ein geeigneter Versuchsaufbau, eindeutig dokumentiertes Elektrodenmaterial, die Kontrolle des tatsächlich fließenden Stroms und möglichst eine analytische Untersuchung des Ergebnisses.
Kurz gesagt: Farbe, Produktionszeit und ein rechnerischer ppm-Wert reichen bei Selen nicht aus, um die entstandene Flüssigkeit zuverlässig zu beurteilen.
Kann man kolloidales Selen selbst herstellen?
Warum eine sichtbare Veränderung noch keine definierte Selendispersion beweist
Unter bestimmten Bedingungen kann bei der elektrochemischen Bearbeitung von Selen eine sichtbar veränderte oder gefärbte Flüssigkeit entstehen. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass ein definiertes, reines und stabiles „kolloidales Selen“ vorliegt.
Bei einer elektrochemischen Herstellung können grundsätzlich nebeneinander auftreten:
- elementare Selenpartikel,
- gelöste oxidierte Selenverbindungen,
- unterschiedlich große Partikel und Agglomerate,
- Reaktionsprodukte aus Bestandteilen des verwendeten Wassers,
- Verunreinigungen aus Elektroden, Kontaktstellen oder Halterungen.
Ohne geeignete Laboranalyse bleibt daher offen, welche Stoffe tatsächlich entstanden sind und in welchen Mengen sie vorliegen.
Was ist Selen?
Ein Element mit verschiedenen Strukturen und sehr unterschiedlichen elektrischen Eigenschaften
Selen ist ein chemisches Element mit dem Symbol Se und der Ordnungszahl 34. Es gehört zur Gruppe der Chalkogene und besitzt sowohl nichtmetallische als auch halbleitende Eigenschaften.
Im Unterschied zu typischen Metallen wie Silber oder Kupfer besitzt Selen keine einheitlich hohe elektrische Leitfähigkeit. Entscheidend ist, in welcher allotropen, also strukturellen Form das Material vorliegt.
Zu den bekannten Erscheinungsformen gehören unter anderem:
- graues beziehungsweise trigonal-kristallines Selen,
- rotes kristallines Selen,
- rotes amorphes Selen,
- schwarzes glasartiges Selen.
Graues, trigonal-kristallines Selen ist die thermodynamisch stabilste Form und vergleichsweise besser leitfähig. Amorphes oder glasartiges Selen kann dagegen ausgesprochen hochohmig sein. Auch Licht, Temperatur, Kristallfehler und Dotierungen beeinflussen seine elektrische Leitfähigkeit.
99,999 % Reinheit bedeutet nicht automatisch gute Leitfähigkeit
Chemische Reinheit und elektrische Leitfähigkeit sind zwei verschiedene Eigenschaften
Die Reinheitsangabe einer Elektrode beschreibt den Anteil des chemischen Elements. Eine Reinheit von 99,999 % – häufig auch als 5N bezeichnet – bedeutet, dass nur sehr geringe Mengen anderer Elemente enthalten sein sollen.
Diese Angabe beantwortet jedoch nicht:
- welche Selenstruktur vorliegt,
- wie hoch der elektrische Widerstand der Elektrode ist,
- ob das Material homogen aufgebaut ist,
- ob ein Bindemittel verwendet wurde,
- wie gut die elektrische Kontaktierung funktioniert,
- ob das Selen für eine elektrochemische Bearbeitung geeignet ist.
Eine sehr hohe chemische Reinheit und eine sehr geringe elektrische Leitfähigkeit können deshalb gleichzeitig vorliegen. Umgekehrt kann ein weniger reines, dotiertes oder als Verbundwerkstoff ausgeführtes Material deutlich besser leiten.
Eigener Versuch mit hochreinem Selen
Selbst bei sehr hoher Spannung zeigte sich keine erkennbare Selendispersion
Bei eigenen Versuchen mit Selen einer angegebenen Reinheit von 99,999 % zeigte sich im Niedervoltverfahren keine sichtbare Umsetzung. Verwendet wurde ein Generator mit einer Ausgangsspannung von bis zu 60 Volt und einer eingestellten Stromstärke von 20 Milliampere.
Weder mit Reinstwasser noch bei einem orientierenden Versuch mit Leitungswasser entstand unter diesen Bedingungen eine erkennbare Selendispersion.
Ergänzend wurde ein einfacher Hochspannungsversuch mit einer Spannung von etwa 10.000 Volt durchgeführt. Die beiden Selenstäbe befanden sich dabei nebeneinander in einem Abstand von ungefähr zehn Zentimetern. Auch bei diesem Versuchsaufbau war keine sichtbare Ablösung oder Verteilung des Selenmaterials im Wasser festzustellen.
Dieser Hochspannungsversuch ist ausdrücklich nicht mit dem Hochvolt-Plasmaverfahren gleichzusetzen. Es entstand keine Plasmaentladung beziehungsweise kein Lichtbogen, der unmittelbar auf das Selenmaterial einwirkte. Eine hohe anliegende Spannung allein bedeutet daher nicht, dass tatsächlich ein ausreichender Strom durch das Material fließt oder Selen in das Wasser übergeht.
Die Beobachtung ist bei einem sehr hochohmigen Selenmaterial technisch plausibel. Sie bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Generator oder die Elektroden fehlerhaft waren. Vielmehr kann der elektrische Widerstand des Materials beziehungsweise des gesamten Versuchsaufbaus so hoch sein, dass trotz der anliegenden Spannung kein ausreichender Strom fließt und keine sichtbare elektrochemische Umsetzung stattfindet.
Die Aussage „keine sichtbare Umsetzung“ bezieht sich ausschließlich auf die äußere Beobachtung während der Versuche. Ob dennoch geringe, mit bloßem Auge nicht erkennbare Selenmengen in das Wasser übergegangen sind, könnte nur durch eine geeignete Laboranalyse festgestellt werden.
💡Merke
Eine hohe anliegende Spannung beweist keine Materialabgabe. Auch bei einem Versuchsaufbau mit etwa 10.000 Volt war keine sichtbare Ablösung des hochreinen Selenmaterials erkennbar. Entscheidend sind der tatsächlich fließende Strom, der elektrische Widerstand des Materials, die Kontaktierung und die konkreten Versuchsbedingungen.
Ein einfacher Hochspannungsversuch ohne Plasmaentladung ist nicht mit dem Hochvolt-Plasmaverfahren gleichzusetzen. Ob und in welcher Menge Selen in das Wasser übergegangen ist, lässt sich ausschließlich durch eine geeignete Laboranalyse beurteilen.
Warum eingestellte 20 Milliampere nicht automatisch tatsächlich fließen
Sollstrom, Ist-Strom und Spannung richtig unterscheiden
Bei der Kolloidherstellung müssen drei Größen unterschieden werden:
- die eingestellte beziehungsweise begrenzte Stromstärke,
- die tatsächlich fließende Stromstärke,
- die vom Generator bereitgestellte Spannung.
Ein auf 20 mA eingestellter Generator erzwingt nicht unter allen Bedingungen einen Strom von 20 mA. Ist der Gesamtwiderstand aus Elektrode, Kontaktstelle, Wasser und elektrochemischer Grenzfläche zu hoch, kann das Gerät seine maximale Ausgangsspannung erreichen, ohne dass der gewünschte Strom fließt.
Für eine vereinfachte elektrische Betrachtung gilt:
I = U / R
Dabei steht I für die Stromstärke, U für die Spannung und R für den elektrischen Widerstand. Je höher der Gesamtwiderstand bei begrenzter Spannung ist, desto geringer fällt der tatsächlich fließende Strom aus.
Warum entstehen mit manchen Selenelektroden schnell sichtbare Veränderungen?
Leitfähigkeit, Elektrodenaufbau und Reaktionsbedingungen können sich deutlich unterscheiden
Wenn mit anderen als Selenelektroden angebotenen Materialien bereits nach wenigen Minuten eine deutliche Verfärbung des Wassers entsteht, sind verschiedene Erklärungen möglich:
- Das Selen liegt als besser leitfähige graue, kristalline Form vor.
- Das Material besitzt eine andere Mikrostruktur.
- Das Selen wurde dotiert.
- Die Elektrode enthält ein leitfähiges Bindemittel.
- Es handelt sich um einen selenhaltigen Verbundwerkstoff.
- Kontaktierung oder Elektrodenaufbau unterscheiden sich.
- Es entstehen größere Partikel beziehungsweise Agglomerate.
- Neben elementarem Selen entstehen gelöste Selenverbindungen.
- Andere Bestandteile der Elektrode oder Konstruktion reagieren mit dem Wasser.
Alle diese Erklärungen sind zunächst nur Hypothesen. Eine schnelle oder intensive Farbveränderung beweist weder die Reinheit der Elektrode noch die Qualität, Zusammensetzung oder Konzentration der entstandenen Flüssigkeit.
Welche Selenformen können im Wasser vorliegen?
Selen kann in unterschiedlichen Oxidationsstufen vorkommen
Zu den grundsätzlich möglichen Selenformen gehören:
| Selenform | Oxidationsstufe | Grundsätzliche Einordnung |
|---|---|---|
| Selenid | −II | stark reduzierte Selenform |
| Elementares Selen | 0 | kann als fester beziehungsweise disperser Partikel vorliegen |
| Selenit | +IV | oxidierte, gelöste Selenform |
| Selenat | +VI | stärker oxidierte, gelöste Selenform |
Diese Übersicht zeigt mögliche Oxidationsstufen des Selens. Sie bedeutet jedoch nicht, dass sämtliche genannten Formen unter den Bedingungen einer konkreten Niedervoltherstellung tatsächlich entstehen oder in relevanten Mengen vorliegen. Welche Spezies gebildet werden, lässt sich aus der Tabelle allein nicht ableiten.
Welche Selenformen während einer konkreten elektrochemischen Herstellung entstehen können, hängt unter anderem ab von:
- Elektrodenpotenzial,
- pH-Wert,
- tatsächlicher Stromdichte,
- Wasserzusammensetzung,
- gelöstem Sauerstoff,
- Temperatur,
- Produktionsdauer,
- Polarität und Umpolung,
- Materialstruktur und Partikeloberfläche.
Eine allgemeine Aussage wie „Der Generator erzeugt ausschließlich elementares kolloidales Selen“ wäre deshalb ohne entsprechende Analytik nicht belastbar. Die wässrige Elektrochemie von Selen ist ein komplexes System, in dem grundsätzlich mehrere Oxidationsstufen und Erscheinungsformen berücksichtigt werden müssen.
Was bedeutet eine orange, rote oder braune Färbung?
Die Farbe kann Hinweise geben, ersetzt aber keine Analyse
Fein verteiltes elementares Selen kann – abhängig von Struktur, Partikelgröße und Agglomeration – orange, rot oder rotbraun erscheinen. Die verschiedenen Erscheinungsformen des elementaren Selens unterscheiden sich teilweise deutlich in Farbe und Struktur. Weiterführende Informationen bietet unsere Übersicht zur Allotropie von Selenpartikeln.
Aus der Farbe allein lässt sich jedoch nicht bestimmen:
- wie viel Selen enthalten ist,
- ob das Selen elementar oder oxidiert vorliegt,
- wie groß die Partikel sind,
- ob die Dispersion stabil ist,
- ob Fremdstoffe enthalten sind,
- ob die Flüssigkeit für einen bestimmten Zweck geeignet ist.
Eine besonders dunkle Flüssigkeit muss daher nicht besonders hochwertig oder konzentriert sein. Sie kann ebenso auf größere Partikel, Agglomeration, Sedimentation oder andere Bestandteile hindeuten.
Warum „braun“ nicht automatisch „kolloidal“ bedeutet
Eine sichtbare Färbung beweist weder Partikelgröße noch Zusammensetzung
Eine kolloidale Dispersion ist ein System, in dem fein verteilte Teilchen in einem Dispersionsmedium vorliegen. Eine sichtbare Färbung beweist diesen Zustand nicht.
Auch folgende Erscheinungen können eine Flüssigkeit färben:
- größere Schwebstoffe,
- ausgefallenes Material,
- gelöste farbige Verbindungen,
- oxidierte Elektrodenbestandteile,
- Fremdmetalle,
- Reaktionsprodukte aus Wasserverunreinigungen.
Die Bezeichnung „kolloidales Selen“ sollte deshalb nicht allein aus Farbe, Herstellungszeit oder einem rechnerischen ppm-Wert abgeleitet werden.
💡Merke
Farbe ist eine Beobachtung – keine Analyse. Sie beweist weder die Reinheit der Elektrode noch die Konzentration, Partikelgröße oder Zusammensetzung der entstandenen Flüssigkeit.
Welche Analysen wären erforderlich?
Erst die Kombination mehrerer Messverfahren ermöglicht eine fundierte Beurteilung
Eine Selendispersion lässt sich nicht mit einer einzigen Messung vollständig charakterisieren. Abhängig von der jeweiligen Fragestellung sind unterschiedliche Untersuchungsverfahren und eine geeignete Probenvorbereitung erforderlich.
Gesamt-Selengehalt
ICP-MS oder ICP-OES können nach einer geeigneten Probenvorbereitung beziehungsweise einem geeigneten Aufschluss bestimmen, wie viel Selen insgesamt in der untersuchten Probe enthalten ist. Eine gewöhnliche Gesamtanalyse unterscheidet jedoch zunächst nicht zwischen gelösten Selenverbindungen und elementaren Selenpartikeln.
Selen-Speziation
Mit IC-ICP-MS oder HPLC-ICP-MS können verschiedene gelöste Selenformen voneinander unterschieden werden. Gerade bei Selen ist diese Speziation wichtig, weil elementares Selen, Selenit und Selenat unterschiedliche chemische Eigenschaften besitzen. Die jeweils geeignete Methode und Probenvorbereitung müssen an die konkrete Fragestellung angepasst werden.
Partikelanalyse
DLS, Elektronenmikroskopie oder gegebenenfalls Single-Particle-ICP-MS können Hinweise auf Partikelgröße, Größenverteilung und Partikelkonzentration geben. Eine DLS-Messung allein weist jedoch nicht nach, dass die erfassten Partikel tatsächlich aus Selen bestehen. Für die stoffliche Zuordnung sind ergänzende elementspezifische oder mikroskopische Verfahren erforderlich.
Stabilitätsprüfung
Das Zetapotenzial kann zur Beurteilung der elektrostatischen Stabilität einer Dispersion beitragen. Zusätzlich sollten Sedimentation, Agglomeration und mögliche Veränderungen während der Lagerung untersucht werden. Auch das Zetapotenzial allein liefert keinen vollständigen Stabilitätsnachweis.
Elektrodenanalyse
Eine Materialanalyse, beispielsweise mittels RFA oder REM-EDX, kann Hinweise darauf geben, ob die Elektrode tatsächlich aus dem angegebenen Material besteht oder weitere Bestandteile enthält. Für eine belastbare Reinheitsangabe ist zusätzlich ein chargenbezogenes Analysenzertifikat hilfreich.
Multielement-Screening
Die Flüssigkeit sollte nicht ausschließlich auf Selen untersucht werden. Auch mögliche Fremdelemente aus Elektroden, Halterungen, Kontaktstellen oder anderen Bauteilen sollten berücksichtigt werden.
Erst die Kombination geeigneter Untersuchungen kann zeigen, wie viel Selen enthalten ist, in welchen Formen es vorliegt, ob tatsächlich eine partikuläre Dispersion entstanden ist und ob weitere Bestandteile vorhanden sind.
Warum ein errechneter ppm-Wert nicht ausreicht
Berechnete Konzentration und analytischer Messwert sind nicht dasselbe
Bei Generatoren wird die erwartete Konzentration häufig aus Strom, Zeit und weiteren Parametern berechnet. Eine solche Berechnung kann als technische Orientierung dienen, ersetzt aber keine analytische Messung.
Gerade bei Selen können Abweichungen entstehen, weil:
- der Sollstrom nicht dem Ist-Strom entspricht,
- nicht jedes umgesetzte Selen als gewünschter Partikel vorliegt,
- gelöste und partikuläre Formen nebeneinander auftreten,
- Material an Elektroden oder Gefäßflächen verbleibt,
- Agglomerate ausfallen oder beim Filtern zurückgehalten werden,
- Nebenreaktionen einen Teil des Stroms verbrauchen.
„10 ppm eingestellt“ und „10 mg Selen pro Liter analytisch nachgewiesen“ sind deshalb nicht automatisch dasselbe.
ℹ️Gut zu wissen
Bei einer verdünnten wässrigen Probe entspricht 1 ppm näherungsweise 1 mg pro Liter. Die ppm-Angabe beschreibt jedoch nur eine Konzentration – nicht die insgesamt enthaltene Stoffmenge.
500 ml einer tatsächlich 1 ppm starken Selendispersion enthalten rechnerisch 0,5 mg beziehungsweise 500 µg Selen. Außerdem sagt die ppm-Zahl allein nichts darüber aus, ob das Selen gelöst, partikulär, elementar oder oxidiert vorliegt.
Warum Leitungswasser und Zusätze keine Lösung sind
Eine höhere Leitfähigkeit führt nicht automatisch zu einem besser definierten Produkt
Wenn mit hochreinem Selen in Reinstwasser kein ausreichender Strom fließt, sollte die Leitfähigkeit nicht einfach mit Leitungswasser, Kochsalz oder anderen Zusätzen erhöht werden.
Leitungswasser enthält regional unterschiedliche Mengen an:
- Chlorid,
- Hydrogencarbonat,
- Calcium und Magnesium,
- Sulfat,
- gelösten organischen Stoffen,
- Spuren verschiedener Metalle.
Diese Bestandteile verändern die elektrochemischen Bedingungen und können zusätzliche Reaktionsprodukte ermöglichen. Das Ergebnis wäre noch schwieriger zu charakterisieren.
Eine schnellere Reaktion oder stärkere Färbung bedeutet daher nicht automatisch eine bessere Selendispersion.
Größere Verzehrmengen sind besonders kritisch
Bei Selen liegen notwendige Versorgung und mögliche Überversorgung vergleichsweise nah beieinander
Selen ist ein essenzielles Spurenelement, das der Körper nur in kleinen Mengen benötigt. Eine zusätzliche Aufnahme oberhalb des Bedarfs ist nicht automatisch vorteilhaft.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat für Erwachsene einen Tolerable Upper Intake Level von 255 µg Selen pro Tag festgelegt. Dabei handelt es sich um die tolerierbare langfristige Gesamtzufuhr aus allen Nahrungsquellen. Der Wert gilt nicht als Verzehrempfehlung oder anzustrebender Zielwert. EFSA: Upper Intake Level for Selenium
Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt für Nahrungsergänzungsmittel, die für Personen ab 15 Jahren bestimmt sind, eine Höchstmenge von 40 µg Selen pro Tagesverzehrempfehlung eines Produkts. Dabei handelt es sich um einen fachlichen Höchstmengenvorschlag für entsprechend zusammengesetzte Nahrungsergänzungsmittel – nicht um eine Dosierungs- oder Verzehrempfehlung für selbst hergestellte Selendispersionen. BfR: Höchstmengenvorschläge für Selen
Pauschale Empfehlungen, täglich 500 ml oder mehr einer nicht analysierten Selendispersion zu trinken, lassen sich vor diesem Hintergrund nicht seriös beurteilen.
ℹ️Gut zu wissen
Der von der EFSA festgelegte Wert von 255 µg Selen pro Tag bezieht sich auf die langfristige Gesamtaufnahme aus allen Nahrungsquellen. Dazu zählt auch Selen aus der normalen Ernährung. Der Wert ist keine Dosierungsempfehlung und kein Zielwert für selbst hergestellte Selendispersionen.
Rechenbeispiel für 500 ml
Unter der vereinfachenden Annahme, dass die ppm-Angabe bei einer verdünnten wässrigen Probe näherungsweise einer Massenkonzentration in mg/L entspricht:
| Tatsächliche Konzentration | Rechnerische Selenmenge in 500 ml |
|---|---|
| 0,1 mg/L beziehungsweise ca. 0,1 ppm | 50 µg |
| 0,5 mg/L beziehungsweise ca. 0,5 ppm | 250 µg |
| 1 mg/L beziehungsweise ca. 1 ppm | 500 µg |
| 5 mg/L beziehungsweise ca. 5 ppm | 2.500 µg |
| 10 mg/L beziehungsweise ca. 10 ppm | 5.000 µg |
500 ml einer Flüssigkeit mit einem analytisch bestätigten Selengehalt von 1 mg/L würden rechnerisch 500 µg Selen enthalten. Das liegt deutlich über dem von der EFSA festgelegten Wert von 255 µg für die tolerierbare langfristige Gesamtzufuhr eines Erwachsenen.
Bei 10 mg/L enthielten 500 ml insgesamt 5 mg beziehungsweise 5.000 µg Selen – rechnerisch fast das Zwanzigfache des EFSA-Wertes.
Bei einer unanalysierten Eigenherstellung sind jedoch möglicherweise weder die tatsächliche Konzentration noch die enthaltenen Selenformen bekannt. Die Rechnung dient daher ausschließlich der Veranschaulichung und stellt keine Verzehrempfehlung dar.
Welche Beschwerden kann eine überhöhte Selenaufnahme verursachen?
Wenn aus einem essenziellen Spurenelement ein gesundheitliches Risiko werden kann
Eine längerfristig überhöhte Aufnahme kann zu einer Selenose führen. Zu den beschriebenen möglichen Anzeichen gehören:
- knoblauchartiger Atemgeruch,
- metallischer Geschmack,
- Übelkeit und Durchfall,
- Müdigkeit und Reizbarkeit,
- Hautveränderungen,
- Haarausfall,
- brüchige oder veränderte Nägel,
- neurologische Beschwerden.
Sehr hohe Aufnahmen können schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben. Bei einem konkreten Verdacht auf eine überhöhte Aufnahme sollten die betreffende Flüssigkeit nicht weiter verwendet und ärztlicher beziehungsweise toxikologischer Rat eingeholt werden.
Für wen ist die Selenherstellung nicht geeignet?
Ohne Erfahrung und Analytik ist eine verlässliche Beurteilung kaum möglich
Von eigenen Herstellungsversuchen ist insbesondere abzuraten, wenn:
- keine Erfahrung mit elektrochemischen Verfahren vorhanden ist,
- Sollstrom und tatsächlich fließender Ist-Strom nicht unterschieden werden können,
- kein zuverlässig geeignetes Reinstwasser verwendet wird,
- Zusammensetzung und Materialstruktur der Elektroden nicht dokumentiert sind,
- Leitungswasser, Kochsalz oder andere Zusätze zur Erhöhung der Leitfähigkeit verwendet werden,
- allein aus der Farbe auf Konzentration oder Qualität geschlossen wird,
- keine Möglichkeit zur geeigneten analytischen Überprüfung besteht,
- das Ergebnis zum Verzehr vorgesehen ist oder in größeren Mengen aufgenommen werden soll.
Warum Selen kein Einsteigerprojekt ist
Selen stellt höhere Anforderungen als viele klassische Elektrodenmaterialien:
- Seine elektrische Leitfähigkeit hängt stark von der strukturellen Form ab.
- Chemische Reinheit bedeutet nicht automatisch elektrochemische Eignung.
- Der eingestellte Strom kann erheblich vom tatsächlichen Strom abweichen.
- Im Wasser können unterschiedliche Selenformen nebeneinander entstehen.
- Eine sichtbare Färbung ist kein Qualitätsnachweis.
- Ein berechneter ppm-Wert ersetzt keine Laboranalyse.
- Fehler bei Zusammensetzung und Mengenbewertung können gesundheitlich relevant sein.
Fazit
Bei Selen zählt die Analytik – nicht die Farbe
Kolloidales Selen lässt sich nicht nach demselben Schema beurteilen wie kolloidales Silber. Das von uns untersuchte hochreine Selenmaterial zeigte im Niedervoltverfahren keine sichtbar gefärbte Umsetzung. Andere als Selenelektroden angebotene Materialien können dagegen bereits nach kurzer Zeit deutliche Farbveränderungen hervorrufen. In beiden Fällen bleibt ohne Laboranalyse offen, ob und in welcher Form Selen tatsächlich in das Wasser übergegangen ist.
Weder die Farbe noch die Herstellungsdauer oder ein rechnerischer ppm-Wert belegen die Reinheit, Partikelgröße, Stabilität oder genaue Zusammensetzung der entstandenen Flüssigkeit.
Die elektrochemische Bearbeitung von Selen ist deshalb kein geeignetes Einsteigerprojekt. Wer sich fachlich damit beschäftigt, sollte den tatsächlich fließenden Strom kontrollieren, die Struktur und Zusammensetzung des Elektrodenmaterials kennen und das Ergebnis mit geeigneten analytischen Verfahren untersuchen lassen.
Von einem Verzehr nicht analysierter, selbst hergestellter Selendispersionen – insbesondere in größeren Mengen – ist abzuraten.
Dieser Beitrag dient der technischen und allgemeinen Information. Er stellt keine Herstellungs-, Verzehr- oder Dosierungsanweisung dar und ersetzt keine medizinische, toxikologische oder rechtliche Beratung.
Häufige Fragen zu kolloidalem Selen
Verständliche Antworten zu Herstellung, Leitfähigkeit, Selenformen, Analytik und Sicherheit
Selen ist ein Halbleiter. Seine Leitfähigkeit hängt stark von seiner Struktur, Temperatur, Belichtung, Reinheit und möglichen Dotierung ab. Graues kristallines Selen leitet besser als viele amorphe Selenformen.
Eine mögliche Ursache ist der sehr hohe elektrische Widerstand des konkreten Selenmaterials. Dann erreicht ein Generator möglicherweise seine maximale Spannung, ohne dass der eingestellte Strom tatsächlich fließt.
Nein. Für die Bestimmung des Gesamt-Selengehalts ist eine geeignete Laboranalyse erforderlich. Die Farbe kann zusätzlich durch Partikelgröße, Agglomeration und Fremdstoffe beeinflusst werden.
Nein. Eine Färbung allein erlaubt keine sichere Aussage über Selengehalt, Partikelgröße, Selenform, Reinheit oder Stabilität.
Eine gewöhnliche ICP-MS-Messung bestimmt in erster Linie den Gesamt-Selengehalt. Für die Unterscheidung verschiedener Selenformen ist zusätzlich eine Speziationsanalyse, beispielsweise mittels IC-ICP-MS oder HPLC-ICP-MS, erforderlich.
Davon ist abzuraten. Zusätze verändern die elektrochemischen Bedingungen und können unerwünschte beziehungsweise nicht definierte Reaktionsprodukte verursachen.
Ohne gesicherte Angaben zu Gesamtgehalt, Selenformen, Partikeln und Verunreinigungen lässt sich die Sicherheit einer selbst hergestellten Dispersion nicht seriös beurteilen. Daraus lässt sich keine sichere Eignung zum Verzehr ableiten.
Ob und unter welchen Bedingungen Selen abgegeben werden darf, lässt sich nicht allein aus der Bezeichnung „reines Selen“ ableiten. Maßgeblich sind insbesondere die konkrete CLP-Einstufung des angebotenen Produkts, dessen Zusammensetzung und Form, der Empfängerkreis sowie die Art der Abgabe. Je nach Einstufung können Vorgaben der Chemikalien-Verbotsverordnung gelten, beispielsweise zu Sachkunde, Identitätsprüfung, Verwendungszweck, Dokumentation oder Versand. Ob zusätzlich eine Endverbleibserklärung verlangt wird, ist im konkreten Einzelfall zu prüfen.
Einige spezialisierte Fachhändler verlangen beim Verkauf von hochreinem Selen eine Endverbleibserklärung, in der der vorgesehene Verwendungszweck dokumentiert wird. Eine solche Erklärung ist jedoch nicht bei jedem Verkauf von Selen automatisch gesetzlich vorgeschrieben. Die jeweiligen Pflichten richten sich unter anderem nach der konkreten Gefahrstoffeinstufung, der Produktform, dem Empfänger und dem Vertriebsweg. Maßgeblich sind das Sicherheitsdatenblatt des konkreten Produkts und die jeweils geltenden gesetzlichen Abgabevorschriften. Die angegebene Reinheit sollte möglichst durch ein chargenbezogenes Analysenzertifikat belegt werden.
Die rechtliche Grundlage sollte weiterhin von einer sachkundigen Person geprüft werden: Chemikalien-Verbotsverordnung.